Donnerstag, 19. April 2012

Vorsicht bissiges Kind

Paul beißt. Schon wieder. Und diesmal nicht in die Brust, das hab ich ihm vor langer, langer Zeit abgewöhnt. Diesmal in alle anderen Körperteile. Eigentlich wollte ich darüber nicht schreiben, weil es mir unangenehm ist. Mein Sohn ist bissig. Wer will das schon. Ich freu mich ja, dass er endlich 16 Zähne hat und sie auch zu benutzen weiß. Aber warum er sie an mir ausprobiert, und nicht an Birnen und Keksen, da steig ich einfach nicht dahinter. Und ich schreibe auch nur darüber, weil sich inzwischen auch der Opa beschwert hat, dass er gebissen wurde. Naja...beschwert ist vielleicht nicht das richtige Wort. Er hat beinahe freudig von allen Körperstellen berichtet, in die sein Enkel ihn gebissen hat, nachdem er ihn geknuddelt hat. Ich bin mir sicher, Opa hat vor Freude gekichert und auf die Zunge gebissen und den Schmerz wie ein Mann getragen.  Opas sind so.
Ich nicht. Ich bin anders. Ich will den Schmerz weder wie ein Mann tragen noch auf die Zunge beißen. Ich will meinen Küsschen gebenden Sohn wieder. Den Sohn, der beim Anblick von nackter Haut sofort einen Kussangriff startet und sich danach eins grinst. Den Sohn, mit dem man aus diesem Grund mit kurzärmeligem T-shirt freudig zusammen auf dem Sofa sitzen kann, weil man dann dauernd Küsschen kriegt. Stattdessen hab ich jetzt dicke Pullover an, mit fusseligen Fasern, damit es unangenehm im Mund ist. Und wenn er trotzdem zum Angriff startet, Kuss- oder Beißattacke, wer weiß das schon vorher so genau, dann zieh ich meinen fusseligen Arm weg und ermahne schon vorbeugend "Nicht beißen." 
Lieber Paul. Bitte, bitte hol wieder die Küsschen raus. Beiß ins Brot. In Kuchen, in Leberwurststullen. Aber nicht in meine Körperteile. Und auch nicht in Opas. Der tut nur so als wenn ihm das gefällt. Er würde auch lieber Küsschen kriegen.

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