Dienstag, 24. April 2012

Ein teures Schrankfach

Es gibt ja manche sinnlose Erfindungen in der Welt des Babyzubehörs, aber nirgendwo toben sich die Hersteller so aus wie bei Trinkflaschen fürs Baby. Und nirgendwo habe auch ich mich so ausgetobt wie beim Kaufen, Testen und in den Schrank (gaaaaaanz weit nach hinten) stellen von selbigen. Der neueste Fall ist erst anderthalb Wochen her, also noch taufrisch. In diesem Fall geht es um eine Flasche für Paul. Moritz trinkt immernoch ausschließlich aus, und jetzt überlege ich nicht lange wegen einer lustigen Formulierung, sondern sage es einfach frei heraus, er trinkt aus Brüsten. Was anderes wurde mit Moritz noch nicht ausprobiert. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen habe ich es bei ihm erst gar nicht versucht. Ob er dadurch bevor- oder benachteiligt ist, soll er später selbst entscheiden, allerdings nur unter der Prämisse bitteschön, dass ich stets das Beste im Sinn hatte. Wie jede Mutter. So und jetzt zurück zum Thema.
Paul trank bevor wir nach Deutschland fuhren aus einer Trinkflasche mit No-Spill-Effekt. Genauer gesagt, die hier. Die hat einen harten Schnabel und tropft nicht. Und hier haben wir schon die zwei Hauptmerkmale einer Trinkflasche, die bisher immer darüber entschieden haben, wohin die Flasche kommt, in den Schrank (gaaaaaanz weit nach hinten) oder auf den Tisch: der Sauger oder Schnabel und die Fließgeschwindigkeit. Gehen wir mal zum Anfang. Ich wollte Paul am Anfang gerne abgepumpte Milch aus der Flasche geben, falls ich mal nicht da bin (also in dem Fall dann nicht ich, sondern jemand anders, ist klar). Mit diesem Anfang hab ich aber 2 Monate gewartet, weil ich gelesen hab, dass man eine stabile Stillbeziehung haben soll, bevor man diese mit Plastiksaugern in Flaschen- oder Nuckelvarianten belastet. Nun ja, was soll ich sagen, unsere Stillbeziehung war nach zwei Monaten so stabil, dass Paul alle Eindringlinge von außen glatt verjagt hat. Und ich war wirklich geduldig. Ich hab ihm immer wieder neue vorgestellt, interessante, schillernde, auch mitunter sehr praktische Partner, auch Nuckelpartner aus Latex und Silikon, sowie Brusthütchen aus Silikon aus gegebenem Anlass. Aber Paul blieb stur: "Bleib mir weg mit dem Plastikkram", hat er gesagt. Ich hätte jetzt ordinärer formulieren können, aber ich nehme mal an, dass mein Sohn sowas nicht sagen würde. Abgelehnt hat er trotzdem alles. Ganz brutal. Am Anfang hatte ich eine Flasche, die nicht tropft und aus der auch nichts fließt, sondern man muss die Milch auf so einen Löffelaufsatz drücken und dann trinkt das Baby wie aus einem Becher, damit es nicht zu einer sogenannten Saugverwirrung kommt. Oh...so weit nach hinten wie diese Flasche hat es keine andere im Schrank geschafft. Zu einer Saugverwirrung kam es nicht. Aber meine Verwirrung muss groß gewesen sein beim Kaufen dieses Geräts. Danach hatte ich eine konventionelle Nuckelflasche mit Silikonsauger. Darauf wurde nur herumgekaut. Dann hatte ich eine mit Latexsauger, auch die wurde als Kaugummi missbraucht. Dann habe ich eine Zeitlang aufgegeben, denn zusammen mit den Nuckeln war mein Schrankfach zu diesem Zeitpunkt schon an die 80 Euro wert. 
Irgendwann kam die Zeit der Trinklernflaschen. Und auch hier hab ich zwei Modelle mit Silikonsaugern besorgt. Sie sollten ja nicht tropfen und auch nicht zu schnell fließen. Sie taten weder das eine noch das andere, sondern landeten im Schrank. Dann fand ich die o.g. Trinklernflasche und damit konnte Paul schön allein trinken. Was hab ich mich gefreut. Bis sie nach ca. 2 Monaten Gebrauch (das ist absoluter Rekord) anfing zu tropfen - nicht aus dem Schnabel, sondern überall. Diese Flasche steht jetzt nicht im Schrank, sondern liegt seit zwei Wochen auf dem Müll. In Bayern. In Ermangelung einer Trinkflasche hab ich noch an Ort und Stelle meinem Sohn ein neues Modell vorgestellt (das bewährte Modell war nicht verfügbar), einen Trinklernbecher. Der tropft nicht. Aber das Anti-Tropf-System ist hier so professionell ausgebaut, dass mein Sohn manchmal unheimlich aktiv Trinklerntraining betreibt, nur eben die Flüssigkeit den Becher nicht verlässt. Langsam hab ich die Nase voll von Trinklernflaschen. Soll er sich doch nass machen beim Trinken, der Junge. Wäsche trocknen ist schließlich kostenlos.
Lieber Moritz, sei nicht traurig, dass du bisher noch keine dieser Instrumente kennen gelernt hast. Ich könnte dir die Modelle vorstellen, sie stehen ja schließlich alle noch im Schrank. Aber ich glaube sie würden dir nicht gefallen. Wir warten einfach noch ein bisschen und dann stelle ich dir gleich das Modell vor, aus dem Paul jetzt auch trinkt. Es ist rund, aus Porzellan und hat einen Henkel. Nennt sich Tasse. Tropft bisschen und kann auch kaputt gehen. Aber da passen wir dann einfach auf.

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