Mittwoch, 22. Februar 2012

Spazierengehen zu dritt- das etwas andere Fitnesstraining

Spazieren gehen ist eine schöne Abwechslung, wenn man ein Kind hat. Wenn man zwei Kinder hat und einen ABC Zoom, dann ist es eher Fitnesstraining für Fortgeschrittene. Und damit meine ich nicht nur den eigentlichen Gehprozess, sondern auch die Vor- und Nachbereitung. 
So ein Spaziergangs-workout beginnt bei mir, wie bei normalen Leuten, mit einem ganz harmlosen Gedanken: "Och, die Sonne scheint ja so schön." Zu diesem Impuls kommt dann noch die Bedingungscheckliste von Mama: Moritz muss satt sein. (Ich stille nicht gern im Gehen). Paul muss satt sein (Ich mag keine Krümel im Kinderwagen). Mama muss satt sein (hungrig geht das aber mal gar nicht). Moritz muss schlafen wollen/können (in die Gegend kuckt er noch nicht so viel, dann schreit er bloß, und Paul wundert sich dann die ganze Zeit über die Nebengeräusche).
Wenn diese Bedingungen halbwegs erfüllt sind, kanns losgehen. 
1. Paul ins Kinderzimmer stecken, damit er keinen Unfug macht, während ich Moritz anziehe oder damit sein Unfug örtlich begrenzt ist.
2. Moritz anziehen. Jacke, Hose, Socken geht ganz gut, spätestens beim Schneeanzug schreit er. Früher wurde ich da nervös. Heute stecke ich mir einfach imaginär Ohrenstöpsel rein und singe ein Kinderlied.
3. Moritz in die Tragewanne legen. 
4. Tragewanne (mit Moritz) in den Flur stellen, Tür aufmachen, damit er sich nicht völlig nass schwitzt. Moritz ist wenig dankbar an dieser Stelle. Schreit weiter. (ich hör das aber nicht, ich hab ja die Ohrenstöpsel)
5. Paul anziehen. Paul schreit dabei nicht. Aber er krabbelt manchmal weg, weil er sich während des Ankleideprozesses anfängt zu langweilen. Dagegen helfen Ohrenstöpsel wenig.
6. Paul ins Kinderzimmer zum Warten abstellen. Begeisterung auf seiner Seite gleich null.
7. Zurück zum schreienden Moritz in den Flur. Jetzt schimpft auch Paul, denn er versteht nicht, warum ich ihn fürs Kinderzimmer so schrecklich warm angezogen hab. Ne kurze Erklärung hinwerfen, dann selbst anziehen und die Tragewanne mit Moritz die Treppe runterbringen zum Kinderwagengestell. In der zweiten Hand den Sitz von Paul mit Fußsack runterbringen. Oder zweimal gehen. Beides im Sinne der Fitness effektiv.
8. Gestell ausklappen, Tragewanne aufsetzen, Sportsitz aufsetzen, Treppe wieder hoch.
9. Paul schnappen, Treppe runter. Paul anschallen. Was vergessen. Treppe wieder hoch. Holen. Treppe runter. Beide ungehalten. Die einzige, die in diesem Moment noch spazieren will, bin ich und ich bin mir auch nicht mehr so sicher.
10. Los gehts. 
Paul: 12 kg. Moritz: 6 kg. Kinderwagen: 19 kg. Macht zusammen: Knapp 40 kg mit Klamotten. Und die lassen sich auf Grund der Leichtgängigkeit der Räder nur dann wie in der Werbung durch die Gegend schieben, wenn kein Schnee liegt und der Untergrund glatt ist. Bordsteinkanten werden zur Herausforderung für Wagen und Mutter, denn das 12kg-Kind muss man anheben (das sitzt vorn) oder den Wagen umdrehen (wenn man genug Platz hat für ne Drehung) und rückwärts hochziehen um dann wieder zu drehen. Wenn einem bei so viel Drehung nicht schlecht wird, ist das die bessere Alternative. Meine Lösung: Ich vermeide Bordsteinkanten und alle sonstigen Hindernisse und gehe strammen Schrittes auf gerader Strecke. Das kann auch schön sein. Und ich bin jedesmal dankbar, dass Pest keine Berge hat und die gerade Strecke auch in dieser Hinsicht gerade ist.
Zurück vom Spaziergang läuft das Programm von vorhin rückwärts ab. Die Kinder sind zufriedener, Moritz pennt, Paul hat rote Wangen und plappert. Nur ich bin fertig. Vom Schieben und vom Ein- und Auspacken. Härter als jeder Zumba-Workout.

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