Mittwoch, 15. Februar 2012

Mein Ich gegen dein Ich

Heute Morgen hab ich nach Spielen für Paul gesucht, also nix zum Kaufen oder so, sondern einfach eine Idee, was ich mit ihm machen kann, was mir nicht selbst schon eingefallen ist. Da bin ich wieder über einen schönen Hinweis gestolpert. Der Hinweis auf der Webseite Babycenter bezieht sich auf die Phase des Nein-Sagens, in die Kleinkinder kommen, direkt nach dem ersten Geburtstag. So steht da, dass Kinder mit 15 Monaten besonders viel Nein sagen, weil sie so ihr eigenes Ich behaupten und ein Bewusstsein dafür entwickeln. Als ich das gelesen habe, dachte ich gleich: 'Zum Glück wächst Paul zweisprachig auf und sagt deshalb bisher weder Nein noch Nem. Seine Augen sagen diese Worte aber durchaus schon, und außer denen noch seine stampfenden Füße und seine patschenden Hände. Aber kommen wir zum Hinweis, der da lautet, man solle selbst nicht so oft Nein sagen, dann würde das eigene Kind auch nicht dazu verleitet. Stattdessen solle man zu Alternativformulierungen greifen, Zitat: Statt
"'Nein, fass das nicht an.', lieber 'Komm, lass uns hier drüben spielen.'" 
Na das versuch ich jetzt mal mit Paul.
Ich setze mich den ganzen Tag auf seinen Spieleteppich in der Küche und warte, dass er sein Ich behauptet. Das macht er ja auf verschiedene Weisen: Er versucht auf die heiße Herdplatte zu fassen, denn sein Ich lässt sich das mit Nein nicht so einfach verbieten. Er holt alles vom Tisch runter, was nicht angenagelt ist, denn sein Ich hat einen festen Anspruch darauf, diese Dinge zu inspizieren. Er greift immernoch manchmal in Steckdosen, denn Nein muss ja nicht immer Nein bedeuten. Er macht das Tiefkühlfach auf, denn sein Ich muss auch dessen Inhalt genauestens untersuchen dürfen. Er verstellt die Uhr am Herd, denn seinem Ich ist es egal, wie spät es ist, es findet nur das Piepen so schön. Und sein Ich würde auch das Wasser in der Toilette mal einem Greiftest unterziehen, wenn es da nicht ein Nein hören würde.
Aber jetzt wird alles anders. Ab jetzt wartet mein Ich einfach auf dem Teppich mit einem spannenden Spiel und wenn Pauls Ich sich mal wieder behauptet, indem seine Augen sagen, 'Nein, ich will jetzt aber mit dem Messer hier spielen', dann sag ich einfach: 'Komm lass uns hier drüben spielen. Und bring das Messer mit.' Mal sehen, wessen Ich sich durchsetzt.

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