Dienstag, 20. Dezember 2011

Laufen Lernen leicht gemacht

Es gibt so Anschaffungen, die man als Eltern für sein Baby tätigt, die sich lohnen, dann gibt es welche, die hätten sich lohnen können, haben aber genau mit deinem Kind nicht funktioniert und dann gibt es so Anschaffungen, die weder in die erste noch die zweite Kategorie passen, weil sie einfach nur Schrott sind. Und das Schöne daran ist, dass die Kategorien von Elternpaar zu Elternpaar unterschiedlich eingeteilt werden. Deswegen gehen zwei Elternpaaren auch nie die Gesprächsthemen aus. Zum Thema Laufen will ich heute mal einen persönlichen Gegenstand für jede Kategorie festhalten.

1. Laufgitter

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.  (Rilke, Der Panther)


Laufgitter sind unter modernen Eltern ein wenig verschrien. Das hab ich aber erst erfahren, als ich meins schon längst zu Hause zu stehen hatte. Ein Laufgitter sei nichts anderes als ein Babyknast und für die freie Entfaltung braucht ein Baby Freiheit. Es muss überall herumkrabbeln dürfen, es muss Schränke aufmachen dürfen und die Welt entdecken mit all seinen Gefahren. Und wenn man die Welt zu gefährlich findet, dann muss man sie als moderne Eltern eben eine Zeitlang aufwändig sichern: Steckdosen abdecken, Schränke sichern, Schubladen versperren, Regale annageln, Tischdecken und Blumentöpfe abschaffen etc. etc. Ansonsten lernt das moderne Baby "by doing", was so funktioniert: Baby krabbelt zum Herd, fässt an, verbrennt sich, fässt danach nie wieder an. Wenn man ein stures Baby hat, das schnell vergisst, muss man doch mal zwischendurch laut NEIN sagen. Wenn es das nicht versteht, muss man dem Baby eben immer hinterher krabbeln.
Ich hab mich entschieden, ein Laufgitter ist für mich genau das Richtige: Momente der Freiheit für Mama, Momente der Ruhe für Paul. Wir haben deswegen unseres schon früh angeschafft und zwar ohne überhaupt groß darüber nachzudenken. Für mich war klar, das lohnt sich für alle Beteiligten und so war es dann auch. Ob Paul ein Trauma davon tragen wird, weil er immerzu gesiebte Luft atmen muss, wird sich wahrscheinlich erst spät zeigen (einen müden Blick kann ich bisher nicht erkennen). Bis dahin hat Pauls persönlicher Käfig allerdings zahlreiche entspannte Duschen für Mama ermöglicht, die sonst hätten mit Paul stattfinden müssen (wie...keine Ahnung) und Paul selbst als Steh- und Gehhilfe sowie als Spieleparadies (da muss er nicht aufräumen) gute Dienste geleistet. Inzwischen haben wir Paul ein größeres Spieleparadies gebaut, indem wir die Kinderzimmertür gesichert haben mit einem Gitter. Jetzt kann er sich da unbeobachtet austoben anstatt immer mit dem Reinigungsmittelschrank zu spielen. Und um mir zu zeigen, was er von meinen Gittern hält, schiebt er neuerdings sein Bett vor den Eingang, sodass man ihn vor lauter Stäben nicht sieht. Das arme Kind. (Man möge mir jetzt Gitterfetischismus vorwerfen. Please, go ahead.)


2. Laufwagen
Als Paul in seinen Stehversuchen stabiler war, sah ich im Babygeschäft einen schönen Laufwagen aus Holz von Hapé. Der hat mir so gut gefallen, dass ich ihn gleich mitnehmen musste. Später wurde dieser dann zum Geschenk von Oma umfunktioniert. Paul war natürlich sehr dankbar, inspizierte den Wagen ein paar Tage von vorne bis hinten sowie von oben bis unten. Nur eins tat er nie: den Wagen als Laufwagen benutzen. So ein Laufwagen ist dazu gedacht, sich daran festzuhalten, wenn man noch nicht frei laufen kann. Sowas ähnliches gibt es ja auch für Omas und Opas, die sich auch wieder festhalten müssen beim Laufen. Paul macht das auch regelmäßig, allerdings nicht mit dem dafür angeschafften Wägelchen, sondern mit allen anderen Dingen, die sich von so einem kleinen Jungen herumschieben lassen. Dabei hat er zwei Favoriten: seinen riesigen Hochstuhl und sein Bett (das auf Rollen steht). Neuerdings schiebt er am liebsten sein Bett durchs ganze Kinderzimmer und am liebsten würde er es auch zur Tür rausschieben. Aber da ist ja neuerdings ein Gitter.  ("mehr, mehr! Mach mir die Tür auf! Ich will durch die Stadt fahren; alle Menschen sollen mich fahren sehen.")

3. Lauflernhilfe
Das hab ich neulich mal auf der Straße gesehen und hab gedacht, ich kuck nicht richtig. Das ist so eine riesige Plastikstuhlkonstruktion mit Rollen, in die man sein Kind setzen/hängen kann und mit der sich das Kind dann vorwärts bewegen kann. Gruselig kann ich nur sagen. Mir wär das schon unangenehm, wenn ich sowas zu Hause benutzen würde, aber das Baby, was ich neulich gesehen habe, wurde von seinen Eltern in so einem Ding an der frischen Luft herumbewegt. Das sieht ungefähr so aus: hier (Man lasse sich nicht täuschen von dem fröhlichen Babyblick).
Lieber Paul, das bleibt dir erspart, keine Angst. Und auch die Gitter kommen irgendwann weg. Abgesehen davon bin ich mir sicher, dass du schnell lernen wirst, wie man Türgitter öffnet und aus Laufgittern rausklettert. Dein Papa hat das auch sehr schnell gekonnt. Und nichts ist doch schöner als die selbst erkämpfte Freiheit. Ungefähr wie bei den beiden hier.


Kommentare:

  1. Ich habe herzlich über Deinen Eintrag gelacht, Heike :-) Mama

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  2. Das freut mich sehr, liebe Mama!

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