Montag, 5. September 2011

Pauls Testverfahren

Im Hause Paul sind ein paar Dinge neuerdings verboten (sie sind nicht deswegen neuerdings verboten, obwohl sie früher mal erlaubt waren, sondern weil früher für ein solches Verbot kein Bedarf bestand) Darunter fallen unter anderem die folgenden Tätigkeiten:
- CDs aus dem Regal fischen und dann die Hülle auf den Boden schlagen, bis die CD rausfällt
- an den Türschwellen lutschen (das wird allerdings schon langsam wieder langweilig, muss also bald nicht mehr verboten werden)
- in den Flur krabbeln (da steht der Katzennapf und Flur bedeutet für Paul automatisch Katzenfutter kosten, das find ich nicht so artgerecht)
- ins Bad krabbeln (denn da kann man kopfüber in die Badewanne stürzen)

Paul hat im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten ein Testverfahren entwickelt. Und sein liebstes Testobjekt bin ich. Aber er schreckt auch nicht davor zurück, das Verfahren bei anderen Bezugspersonen anzuwenden. Was er testet? Meine Reaktion. Er probiert was Verbotenes oder setzt an das zu tun und kuckt dabei erstmal, wie ich reagiere und ob es wirklich immer noch verboten ist oder vielleicht inzwischen doch erlaubt. Manchmal ändert sich das ja. Kommt ja auch auf die Bezugsperson an. Was mich angeht, weiß er allerdings genau, dass diese vier Dinge tabu sind. Und deswegen läuft sein Testverfahren wie folgt ab:
1. die Tür zum Flur steht auf.
2. Paul sieht die offene Tür.
3. Paul krabbelt in Richtung offener Tür.
4. Mama sieht, dass die Tür offen steht und sagt "Paul - nein"
5. Paul dreht sich um, grinst mich an.
6. Mama wiederholt zum besseren Verständnis.
7. Paul grinst.
8. Paul krabbelt Richtung Tür.
9. Mama steht auf.
10. An dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten:
10.a. Paul dreht um und krabbelt in eine andere Richtung, weil er entweder weiß, dass ich schneller sein werde und die Tür schließen werde oder weil er was anderes sieht, was interessanter ist.
10.b. Paul dreht sich um, grinst mich an und gibt noch mal richtig Krabbelgas.

Bis zum Katzennapf schafft er es nie und selten bis über die Türschwelle. Aber ich glaube, sein Vergnügen ist dadurch nicht getrübt. Sein Testverfahren macht ihm doch reichlich Spaß.

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