Dienstag, 20. September 2011

Geräusche sind zum Selbermachen da

Paul ist ein empfindliches Pflänzchen, was Geräusche angeht. Eine ganze Weile empfand er jegliche Geräusche, die von etwas unangenehmerer Art sind, als irgendwie gefährlich, was entweder zu massivem Blinkern führte oder im schlimmsten Fall zu Weinkrämpfen (und hier ist nicht das Getränk gemeint). So erschreckte er sich zum Beispiel vor Mixern, vor elektrischen Zahnbürsten (ganz berühmtes Beispiel) und anderen Elektrogeräten (mit Ausnahme vom Staubsauger, denn der hat ihn ja schon früh von Ansammlungen in der Nase befreit), vor quietschenden Türen oder Schubladen und klirrendem Geschirr. Und neulich fing er ganz bitterlich an zu weinen, als wir die alte quietschende Garagentür mit ihm öffneten. 
Was seine Geräuschempfindlichkeit angeht, gibt es aber ein Geräusch, was für ihn in Sachen Grausamkeit nicht zu übertreffen ist und das ist Babygeschrei. Und hier wird es interessant, denn natürlich ist es nicht sein eigenes Geschrei, das ihn nervt, das ist ja auch irgendwie unlogisch (und Paul weint ja auch nicht, er sagt einfach, was er will). Nein. Paul weint, wenn andere weinen (oder quietschen oder kreischen).
Einerseits kann man dieses Verhalten als positiv sehen: Paul hat eben eine große emotionale Intelligenz und weint aus Solidarität und Empathie. In manchen Fällen hat sich dieses Verhalten sogar als erfolgreich erwiesen, denn wenn die Originalquelle keinen richtigen Grund hatte zum Weinen und dann sieht, wie Paul weint, dann hört das Weinen an der Quelle meistens auf. Paul braucht dann meistens aber länger, um sich zu beruhigen. Andererseits könnte man Lust bekommen, Paul ins Geräuschtrainingslager zu stecken, um ihn auf die harte Geräuschrealität des Lebens besser vorzubereiten. Auch die Idee, ab und zu eine CD mit Babygeschrei einzulegen, kam schon auf.
Nach dem gestrigen Besuch bei einer Freundin mit Baby (14 Monate und gut laut) habe ich aber Hoffnung, dass sich das Problem auch ohne mein Zutun erledigt. Paul war nicht mehr ganz so solidarisch in Sachen weinen. Wenn er sich das bis Dezember ein bisschen abgewöhnen könnte, das wäre schon sehr praktisch. Denn sein Brüderchen wird vielleicht nicht ganz geräuschlos sein.

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