Donnerstag, 4. August 2011

Wie man plötzlich zum Mutterti(g)er wird

Während man schwanger ist, malt man sich manchmal aus, wie das so sein wird, wenn man ein Kind hat und wie sich das eigene Leben so lebt mit einem Baby, das auf einen angewiesen ist. Man hat Vorstellungen und Pläne und Ideen, wie man damit umgehen will, was man auf gar keinen Fall zulassen will und wie man den Tagesablauf und das Familienleben mit dem Baby gestalten will.
Und dann ist das Baby plötzlich da.
Und es stellt sich heraus, dass das meiste Planen völlig für die Katz war.
Nicht etwa, weil man zu faul ist, die Pläne durchzusetzen oder weil man zu wenig Zeit hat, um überhaupt nachzudenken darüber, wie man den Tagesablauf gestalten will, weil der Tag abgelaufen ist, bevor man überhaupt Gelegenheit hatte, über ihn nachzudenken.
Das ist zwar manchmal tatsächlich so. Aber das ist nicht der Grund für das Verschwinden der Pläne. Der Grund dafür ist viel lieber, dass man sich aufs Mutterdasein gar nicht richtig vorbereiten kann. Im Zusammenhang mit der Geburt gibt ja viele Kurse, Hechelkurse, Entspannungskurse, Yogakurse, Wickelkurse, Pekipkurse, Nachbereitungskurse und und und. Aber sie alle können dir nicht sagen, wie du individuell darauf reagierst, wenn du zur Mama wirst, beziehungsweise, wie man im Ungarischen so schön sagt, wie du plötzlich zum Muttertiger (anya tigris) wirst. 
Denn plötzlich stehst du da und findest lauter Ausreden, warum du dein Kind nicht allein lassen kannst, um zum Sport zu gehen, dich mit Freunden zu treffen oder abends ein Date mit Papatiger zu haben. Du willst nicht wirklich nicht weggehen oder nicht das Haus verlassen. Du hast nur Angst, dein achso liebliches Etwas wird von niemandem so gut betreut wie von dir. Plötzlich ertappst du dich, wie du ein schlechtes Gewissen hast, wenn du diese Dinge tun willst. Und genau das plant man eben nicht. Das kommt oder es kommt nicht.
Heute hab ich das erste Mal die Fütterung des Babytigers der Oma zu überlassen, um mit dem Tigerembryo zum Yogakurs zu gehen. Hätte mir vor neun Monaten jemand gesagt, wie komisch sich das anfühlen kann, hätte ich wohl nur innerlich gelächelt. Heute bin ich vom Yoga zurückgekommen um zu hören, dass die zweieinhalb Stunden ohne Mama tränenlos vergangen sind, mit Schlafen, Essen und Spinat auf die Hose schmieren verbracht worden sind und war erstaunt über meine extreme Erleichterung, die Erleichterung der Tigermama, die denkt, ohne sie könnte es ja gar nicht gehen. So war das ursprünglich nicht geplant. Aber das macht nichts. Das Experiment ist ja geglückt und so fühlt es sich richtig an.

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