Freitag, 4. März 2011

Auf dem Bauch liegen muss man schließlich auch wollen

Nächste Woche haben wir wieder eine Untersuchung, d.h. untersucht wird nur der Paul. Aber die letzten Untersuchungen haben gezeigt, dass die Mutter immer auch mit untersucht wird. Nicht körperlich, aber die mütterlichen Kompetenzen sozusagen. Denn Paul wird nach allen Regeln der Kunst untersucht und mit einer Norm verglichen (das hatten wir schon). Sollte es dann Abweichungen von der Norm geben, ist das natürlich nicht Pauls Schuld. Denn er kann ja nix dafür, er ist ja nur ein Baby. Irgendwann (wahrscheinlich schneller, als uns lieb ist) wird der Moment kommen, an dem er selbst verantwortlich ist für das, was er isst, was er trinkt und was er sonst so mit seinem Körper anstellt. Jetzt bin ich Schuld. Naja, irgendwie auch noch der Papa. Aber nein, eigentlich doch nur ich. Und diese Schuld wird auch regelmäßig kommuniziert.
Sie stillen zu oft
Sie stillen zu wenig
Sie müssen ihn nicht so oft halten
Sie müssen ihn mehr halten
Sie müssen ihn anders halten
Sie müssen ihm Wasser geben
Sie dürfen ihm kein Wasser geben
Sie müssen ihm Tee geben
Sie müssen ihn regelmäßig baden. 
Sie dürfen ihn nicht so oft baden.
....usw. die Liste ist lang.
Bei der letzten Untersuchung kam der Hinweis, der mir bis heute noch in den Ohren klingelt und mich vor der nächsten Untersuchung zittern lässt. "Hebt er denn sein Köpfchen schon?" "Naja, geht so..." "Das müsste er schon besser können. Sie müssen ihn viel öfter auf den Bauch legen."
Kurz nach der Untersuchung hab ichs dann nochmal versucht mit der vermaledeiten Bauchlage, die ja so wichtig ist, damit der Junge laufen lernt, denn aus der Rückenlage steht es sich so schlecht auf. Ich hab dann festgestellt, dass sich seit der Geburt nix verändert hat. Paul hasst die Bauchlage. Er wird hysterisch auf dem Bauch, und das innerhalb weniger Sekunden, manchmal, wenn er einen guten Tag hat, innerhalb einer Minute. Also hab ich das wieder gelassen, denn es wurde auch nicht besser dadurch, dass ich ihn öfter auf den Bauch gelegt hab. Einzig und allein das Schreien wurde lauter.
Nun steht die nächste Untersuchung an und da zwang mich die Angst vor dem Rezept für Krankengymnastik (denn das bekommen Babys, die nicht rechtzeitig alle Entwicklungsstufen abarbeiten) dazu, Paul doch wieder in die Bauchlage zu zwingen. Und siehe da, ganz plötzlich, als hätte er nie was anderes getan, macht er kleine Liegestütze und kuckt mich an. Zugegebenermaßen wird er dabei immernoch hysterisch, sein Kopf wird rot und er fängt mächtig an zu jammern. Aber jammern darf er, solange er dafür sorgt, dass ich bei der Untersuchung nicht wieder zu hören kriege: "Sie müssen....Sie dürfen nicht....Sie sollten...." Und irgendwann wird auch das Jammern aufhören. Auf dem Bauch liegen muss man schließlich auch wollen.

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