Mittwoch, 15. Dezember 2010

Wie kann ein Junge so viel essen?

Heute ist Paul genau vier Wochen alt und gestern Abend haben wir ihn das erste Mal nackt gewogen...und tataaa...er wiegt jetzt 4780 g. Aus diesem Anlass möchte ich heute was zum Thema Zahlen und Statistiken schreiben.
Schon im Krankenhaus bin ich damit konfrontiert worden, dass eine gute, verantwortungsvolle Mutter von heute, wenn sie ihr Kind stillt, eine Babywaage besitzen muss, um das Kindlein nicht nur täglich oder wöchentlich, sondern immer vor und nach dem Stillen zu wiegen, damit sie sich auch sicher sein kann, dass das Kind genug isst. Denn die modernen Kinder sind nicht mehr in der Lage mit glänzender Haut, zufriedenem Gesicht, Pausbacken und mangelndem Geschrei zu signalisieren, dass sie genug zu essen bekommen.
Im Krankenhaus wurde Paul natürlich standardmäßig mehrmals täglich gewogen. Sein Gewichtsverlust von 300 g in den ersten Tagen führte dazu, dass ich Sätze zu hören bekam wie: "Sie haben nicht genug Milch, sie müssen ihrem Kind Zusatznahrung geben oder wollen sie, dass es verhungert?" Das wollte ich natürlich nicht. Ich legte Paul immer wieder an und glaubte fest daran, dass er nicht verhungern würde. Aber der Zahlenkampf ging weiter. Beeindruckt von dieser Frage, brachte ich Paulchen am vierten Tag nachmittags zum Wiegen, vor dem Stillen und nach dem Stillen, wie sich das für eine verantwortungsvolle Mutter gehört. Die Waage zeigte 20g und die Schwester machte ein ernstes Gesicht: "Das ist viel zu wenig. So wird er nie satt. Er muss mindestens 50ml trinken." Ok, dachte ich, weckte Paul, denn er war zufrieden eingeschlafen, und bot ihm noch mal, verantwortungsbewusst wie ich war, die fehlenden 30ml an. Er meckerte natürlich, aber irgendwie gingen sie runter. Am nächsten Tag sagte die Schwester, wie schön Paul trinken würde, ganze 70ml am gestrigen Tag, das ist zufriedenstellend. Mich stellte diese Wiegenummer nicht zufrieden, ein zufriedener Paul war zufriedenstellender für mich als die Zahl auf der Waage.

Wir wurden nach Hause entlassen und Paul trinkt seitdem, so wie er will, Stillen nach Bedarf nennt sich das. Und sein Bedarf ist groß, zumindest tut er so. Er hat immer ein bisschen Angst, dass die nächste Mahlzeit vielleicht ausfallen könnte oder hofft, dass er vielleicht noch einen Nachschlag bekommt, wenn er sich beeilt. Und deswegen beeilt sich Paul sehr. Seine verantwortungsbewusste Mutter hat natürlich inzwischen eine Waage, aber nicht für sich selbst, sondern für die Kontrolleure, die regelmäßig kommen und Fragen stellen. "Wie viel trinkt er während einer Mahlzeit?" "Wie viel wiegt er jetzt genau?" "Kann ich mal seine Gewichtskurve sehen?" "Wie viel trinkt er am Tag?"
Um die Fragen beantworten zu können, habe sich Einmalwerte bewährt, die eine Weile gut sind. Aber seit gestern stehe ich vor einem neuen Zahlenproblem. Erstens hat Paul in drei Wochen 1200 g zugenommen. Zweitens hab ich gestern gemessen, wie viel er während einer Mahlzeit trinkt, denn bald kommt die Kontrolleurin und der alte Wert ist sicher nicht mehr genug. Das Problem ist nur, der neue Wert ist zu gut. 180g bei einer Mahlzeit, "Das ist ZUVIEL", wird sie sagen. 1200 g in drei Wochen, "Das ist ZUVIEL" klingelt es schon jetzt in meinen Ohren. Denn die Statistik erlaubt, empfiehlt, schreibt 100-200 g Zunahme pro Woche vor.
Was machen wir da bloß Paul? Warum hast du so einen statistikfernen Hunger? Und wie kriegen wir dich in die Tabelle rein?

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