Mittwoch, 3. November 2010

Die Geschmäcker sind verschieden

Die Geschmacksnerven eines Kindes werden laut Wissenschaft schon im Bauch der Mutter geprägt. Vor diesem Hintergrund ist wahrscheinlich der Kommentar einer befreundeten Schwangeren vom letzten Wochenende zu sehen, als sie sagte: „Also Szegediner Gulasch werd ich wohl so schnell nicht wieder essen. Da hat er den ganzen Tag und die ganze Nacht Terror gemacht in meinem Bauch.” Auf meinen Kommentar hin, dass man ja aber nicht wissen könne, ob er sich so viel bewegt hat, weil es ihm gefallen hat oder ob genau das Gegenteil der Fall ist, sagte sie nur: „OH DOCH! Das weiß ich! Das will er nicht mehr!”

Da fiel mir ein, P, ich müsste mal festhalten, was ich zu dir so alles runtergeschickt habe, und womit ich deine Geschmacksnerven schon jetzt geprägt habe. Später (ich schätze sehr viel später) schauen wir dann mal, ob die Wissenschaft Recht hat und ich dir deinen Geschmack versaut habe, schon bevor du auf die Welt gekommen bist.

Also theoretisch müsstest du jetzt sehr vertraut sein mit dem Geschmack von
- Tomaten, Kaffee (koffeinfrei und koffeinhaltig, am liebsten mit viel Milch) Nudeln, Schokolade (am liebsten mit irgendwas kombiniert): alles Dinge, die du in deinem ersten Lebensjahr laut Wissenschaft wohl gar nicht bekommen darfst, wenn ich mich nicht irre
- Zucchini (auch aus privater Ernte) Pfefferminztee, Kartoffeln (in Suppen, Aufläufen, in gebratener oder gekochter Form) Erdbeerkuchen: beim Erdbeerkuchen handelt es sich um die Erdbeerschnitte mit Quarkcreme im McCafé, danach war ich eine Zeitlang direkt süchtig, ich hoffe, du wirst es nicht auch
- Paprika (wir befinden uns ja schließlich in Ungarn!), Milch (literweise) Brötchen (leider nicht die tollsten, im Land des Brotes warst du schließlich nicht sehr oft) Haferflockenkeksen: natürlich selbst gemachte
- Bohnen, Ricorékaffee (du warst mir zu aktiv bei richtigem Kaffee), dunklem Brot, Griesbrei mit Früchten: ich hatte in der Schwangerschaft einen Hang zum Süßen, den müsstest du jetzt also auch haben (das wird dann ja ein schweres erstes Jahr für dich, mein Lieber!)
- Rosenkohl, Mango-Lassi (damit hab ich meine Übelkeit bekämpft), Fladenbrot (meinen Lieblingskebapladen zeig ich dir irgendwann), Lachgummis (ich hatte oft Heißhunger auf Gummizeugs: den Rosenkohl wirst du sicher neu kennen und lieben lernen müssen
Was du entweder liebst oder hasst, weil du viel davon bekommen hast:
Spaghetti, Milch, Kuchen in allen Formen und Farben, Grapefruit (erst in letzter Zeit), Erdbeeren, Mandarinen, Melone, Fözelék, Paprikakartoffeln, Ricoré Getreidekaffee, Himbeeren, Mango, Zucchini, Walnüsse, Akazienhonig, Hamburger, Ananas

Gewürze, die du kennst:
Zimt, Nelke, Currymischung, Ingwer, Koriander, Basilikum, Oregano, Paprika süß und scharf, Chili, Muskatnuss, Pfeffer

Was du nicht kennst:
den Geschmack von Alkohol, bis auf alkoholfreies Bier, von dem ja manche Werbefachmänner behaupten, es würde wie richtiges Bier schmecken.

So lieber P, dann schaun wir mal in ein paar Jahren, was dich wirklich genervt und was dir „geschmeckt” hat. Reaktionen hab ich ja nur gemerkt bei Koffein und Zucker, was aber wohl weniger mit Geschmack zu tun hat, als vielmehr mit der Energiezufuhr.
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, also sei mir nicht böse, wenn ich dich mit irgendwas gequält hab. Szegediner Gulasch hast du schließlich auch bekommen.

Für alle, die Szegediner Gulasch nicht kennen:
hier geht's zum Rezept

PS. Die Liste beinhaltet keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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